Musical: In Schaafheim wird aus der Verknüpfung von Bank- und Liebesgeschichte ein Unterhaltungsabend

Kann man die 125-jäh­ri­ge Ge­schich­te ei­nes Geld­in­sti­tu­tes so er­zäh­len, dass die Zu­hö­rer am En­de ste­hend ap­plau­die­ren und so­gar noch Zu­ga­ben ein­for­dern? Man kann: Das ha­ben jetzt 220 Akteu­re mit ei­nem 150-mi­nü­ti­gen Sing­spiel in der Schaaf­hei­mer Kul­tur­hal­le un­ter Be­weis ge­s­tellt.

»Raiffeisen – das Musical« lautete der zum Programm gewordene Arbeitstitel, der zwei Begriffe verbindet, die eher wenig Berührungspunkte vermuten lassen. Laien aus zwei Gesangvereinen sowie eine Feuerwehrkapelle trugen personelle Hauptlast.
Schon das erste Bühnenbild ist vielversprechend. Eigentlich handelt es sich um eine dreigeteilte Bühne, eine Versammlung von Jungbauern, die Kundenhalle der Raiffeisenbank und die Küche der Bauernfamilie Sommer.

Anfang an drei Orten

Nach der Ouvertüre, in er es ums Geld geht und die Feuerwehrkapelle mit Unterstützung durch eine kleine Band bereits unter Beweis stellt, dass sie sich zu sinfonischer Größe aufschwingen kann, entspinnt sich aus dem Synchrongeschehen an drei Orten der Anfang einer Geschichte.
Darin spielen ein Vater-Sohn-Konflikt, die gemeinsame Anschaffung einer neuen Erntemaschine, ein Kreditantrag, ein Jungbauer, zwei hübsche Bankangestellte und ein Bankdirektor wichtige Rollen. Letztere sind mit halbprofessionellen Kräften besetzt, was der Inszenierung zusätzliche stimmliche und schauspielerische Pluspunkte beschert.

Ralph Schreiner dirigiert

Der Jungbauer Jonas Sommer darf sich aus dem Repertoire der Prinzen bedienen und in der mit etwa 450 Besuchern randvollen Kulturhalle verkünden: »Ich wär so gerne Millionär«. Sie wiederum, die Bankangestellte Johanna Engel, bezieht mit Johannes Heesters‘ »Ich brauche keine Millionen…« Gegenposition. Dass aus den beiden dennoch ein Liebespaar wird, ist schon nach den ersten Missverständnissen zum Kreditantrag für die Erntemaschine klar.
Bevor die beiden aber zueinanderfinden, mutiert ein Bankdirektor zur historischen Figur des Friedrich Wilhelm Raiffeisen, und in vielen Bildern wird die Entstehung der genossenschaftlichen Bankbewegung erzählt. »Einer für alle, alle für einen« – das Motto der drei Musketiere passt auch auf Bankgenossen.
Großartig das Bühnenbild, großartig die Choreografie, großartig das Zusammenwirken von Chören und Orchester. Für das Zusammenwirken zeichnete der musical-erfahrene Direktor und Dirigent Ralph Scheiner verantwortlich.

Erste Idee vor zwei Jahren

Schreiner leitet auch den Männerprojektchor der Schaafheimer Sängervereinigung »Men only«, in dem Heiko Petry und Christoph Wunderlich, Manager der kleinen, aber immer noch selbstständigen Raiffeisenbank Schaafheim, singen. Zu dritt wurden vor zwei Jahren die ersten Ideen zum großen Musical ausbaldowert. Entstanden ist etwas höchst Beeindruckendes – das wird in allen Gesprächen während der Pause bestätigt.

Nach der Pause ist die große Viertelstunde für »Chorios«, den jungen Chor der Sängervereinigung, der zum Beispiel mit einem ein Chorarrangement des Tote-Hosen-Titels: »An Tagen wie diesen…« darbietet. Für Lokalkolorit sorgt ein Ausflug auf die Scheffemer Kerb, bei dem die Feuerwehrkapelle mit dem Kerblied auftrumpft, Sommer und Engel kriegen sich da beinahe und am Ende ganz, der Kreditvertrag ist bewilligt, und Papa Sommer versöhnt sich mit Sohn Jonas.
Der Schlusschorus knüpft an den Anfang an, allerdings mit einer leichten Änderung: Es geht nicht nur ums Geld… Das beruhigt.

Quelle: https://www.main-echo.de/regional/rhein-main-hessen/es-geht-nicht-nur-ums-geld-art-4266430